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São Jorge:
Unter den Wolken …

Ich setzte meine Wanderung auf São Jorge vom Vortag von Velas nach Urzelina heute nach Calheta fort.

Voller Unternehmungslust habe ich schon am Vorabend das Taxi bestellt, um mich zu der Stelle des Höhenweges von São Jorge karren zu lassen, an der ich die Wanderung am Vortag unterbrochen hatte, um zum Zeltplatz abzusteigen.

Unter den Wolken: Azorenwetter

In den Bergen hängen die Wolken, und bald hänge ich in den Wolken. Ich würde mich gerne direkt zu einem wolkenloserem Ort fahren lassen. Denn auf den Azoren gibt es fast jeden Tag jedes Wetter gleichzeitig. Nur eben an unterschiedlichen Orten der Inseln. Aber der Taxifahrer hat schon den nächsten Kunden der auf ihn wartet. Also wirft er mich auf der Anhöhe, wo ich eigentlich loslaufen wollte, raus. Ich komme mir etwas doof vor mit meinem riesen Rucksack. Mitten im Nichts, oder genauer genommen mitten im Nebel … Netterweise hat der Taxifahrer seinen Kollegen angerufen, der mich nach einer Weile im Nebel einsammelt und auf der Suche nach einem nicht ganz so wolkigem Fleckchen Insel am Ende in der Faja dos Cubres absetzt.

So ist das mit dem Wetter auf den Azoren, an einem Tag alle 4 Jahreszeiten, auf der einen Seite der Insel Sonne, auf der anderen Regen. Da muss man manchmal seine Pläne anpassen.

Faja dos Cubres

1406_saojorge_L1005766Die Faja de Cubres ist wie ausgestorben. Alle sind in einem Nachbardorf, klärt mich die Kellnerin im verschlafenen Café auf. Das wird ein einsamer Tag …

1406_saojorge_L1005682Sogar die Häuser glotzen mich an und fragen, was zum Teufel ich hier mit meinem Monsterrucksack mache …

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1406_saojorge_L1005702 Die Erdaufschüttungen der Fajas ermöglichten erst das besiedeln der Insel – Blick auf die Faja dos Cubres

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1406_saojorge_L1005743Der Weg zur Faja de Caldeira ist einer der beliebtesten Wanderwege auf São Jorge

1406_saojorge_L1005698Bevor der Weg für Squads ausgebaut wurde, wanderten hier viele Azoreaner barfuss

Faja de Caldeira de Santo Christo

Die Faja de Caldeira de Santo Christo ist einer dieser Orte, bei dem die Menschen diesen ganz besonderen verträumten Blick bekommen, wenn sie von ihm reden. Sie ist beliebt bei Surfern und bekannt für die Parties im Sommer. Da bin ich wohl etwas zu früh.

Vor einer Weile wurde der Wanderweg ausgebaut, so dass jetzt auch Squads darauf fahren können. Ist zwar nicht so idyllisch, aber mein Rucksack bekommt eine Mitfahrgelegenheit! Ich bekomme ihn im Restaurant wieder. Und als die freundlichen Restaurantbesitzer hören, dass ich nicht in Caldeira bleiben werde sondern (falschrum! Bergauf und nicht bergab, wie sonst alle diese Wanderung machen. Wie ich nur auf diese absurde Idee kommen kann?) weiter wandern möchte, laden sie mich sofort zum Mittagessen ein, das gerade für die Familie aufgetischt wird. Ich brauche schliesslich die Kraft!

1406_saojorge_L1005769Keiner Zuhause in der Faja de Caldeira de Santo Christo

1406_saojorge_L1005670Amaryllis wächst hier wild

1406_saojorge_L1005767 Im Juni ist noch Nebensaison 

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1406_saojorge_L1005723Auf der Mauer auf der Lauer …

1406_sao_jorge_2014-06-14 15.05.16Kurz bevor ich wieder in die Wolken eintauche …

Stierkampf auf São Jorge

Eine Weile nachdem ich in die Wolken eingetaucht bin, mache ich die unerfreuliche Begegnung mit einer Horde Kühen, die schnell eindeutig deutlich machen, dass die genau genommen Bullen sind …

Ich erinnere mich an das Video, das ich auf dem Flughafen von Terceira gesehen hatte. Besonders auf Terceira und São Jorge sind Stierkämpfe sehr beliebt. Bei dem “harmlosen” Strassenstierkampf fliegen sowohl Stier als auch die zahlreichen Toreos (jeder der sich traut, darf Torero sein) durch die Gegend. Das ganze endet nicht unblutig. Es gibt auf jedes Jahr paar Tote auf bei den Stierkämpfen auf Terceira und São Jorge. Ich bin schockiert von dem Video. Die Frau neben mir im Flughafen, die das Selbe sieht, lacht laut und amüsiert sich prächtig.

Aber ich nicht! Ich habe Angst vor diesen blöden Kühen.

Was würde Indy machen?

Was würde Indy jetzt machen? Er ist nicht da, aber Reiseführer rät, freilaufende Bullen weitläufig zu umgehen. Super Tipp, rechts und links geht es steil bergab. Ich schreie die Bullen an, bitte sie freundlich, zur Seite zu treten. Aber es hilft nichts. Die Bullen umzingeln mich, ein besonders schlecht gelaunter schaut mich mit seien rinderwahnsinnigen Augen an und scharrt mit seinem Huf. Ich sehe mich schon den Berg runterpurzeln oder zwischen den Hörnern des Stiers hängen.

Ich drehe um. So kurz vorm Ziel. Aber zum Glück kommt mir nach 5 Minuten ein (barfüssiger, tut zwar nichts zur Sache aber egal) junger Mann entgegen. Ich erkläre ihm das Problem, er kennt sich mit Bullen aus, er kommt von der Nachbarinsel Terceira. Die Bullen liegen auf dem Weg als wir zurückkommen. Wir laufen einfach an ihnen vorbei …

Nie hätte ich damit gerechnet, ausgerechnet hier jemanden zu treffen. Aber für den restlichen Weg bin ich nun in bester Begleitung. Ich werde zwar immer wieder wegen der gefährlichen Kühe aufgezogen, aber woher soll ich denn wissen, dass nur die schwarzen Kühe Kampfstiere sind, und die braunen “lieb” sind?

1406_sao_jorge_2014-06-14 15.52.43Fiese Kühe blockieren meinen Weg

Calheta: Alle ausgewandert?

An der Strasse angekommen, werden wir schnell eingesammelt und nach Calheta gebracht, wo wir noch einen Kaffee trinken. Auch Calheta ist wie ausgestorben. Nur ein paar alte Leute sind unterwegs. Das ist das Problem von São Jorge, viele Junge Leute wandern aus, nur die alten bleiben, erzählt mir mein neuer Freund.

1406_saojorge_L1005778Mit dem Ochsenkarren geht es durchs Dorf

Der Zeltplatz ist etwas ausserhalb. Vorm Zeltplatz sind einige Holzhütten aufgebaut wo Bier und Bohnen verkauft werden. Es ist das Dorffest zu Ehren der Bohnen, viele davon liegen schon zertreten auf dem Boden, zwischen offensichtlich nicht ausgewanderten, betrunkenen jungen Leuten. Aber die Party löst sich gerade auf, die letzten Schnappsleichen werden eingesammelt und es wird ruhig auf dem Zeltplatz.

1406_saojorge_L1005810Zeltplatz mit Meer- und Vulkanblick

Und ich bin allein auf dem Zeltplatz! Aber nach einer Weile gesellen sich meine Bekannten vom Zeltplatz in Velhas zu mir. Die Insel ist klein!

 

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