Afrika, Aus aller Welt, Südafrika
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Besuch auf Robben Island, Südafrika

Noch vor weniger als 20 Jahren lebten auf Robben Island 300 Gefangene und um die 90 Wärter und Handwerker mit ihren Familien auf der Gefängnisinsel vor der Küste von Kapstadt.

Das heitere Wetter und die Schönheit der Natur stehen im krassen Kontrast zu der schrecklichen und langen Zeit die die Häftlinge hier verbrachten. Nelson Mandela verbrachte 19 Jahre seiner insgesamt 27 Jahre in Gefangenschaft hier.

Die Sonne strahlt und der Ausflug zur einstigen Gefängnisinsel Robben Island beginnt am Nelson Mandela Gateway an der Vicoria & Albert Waterfront in Kapstadt. Heute ist Robben Island eine Museumsinsel und Mahnmal vor allem für den traurigen Teil der Apartheid Geschichte von Südafrika.

Mit dem Boot nach Robben Island

Mit einer großen deutschen Austausch-Schülergruppe und einem Haufen Holländer setzen wir mit dem Boot nach Robben Island über. Die Stimmung ist vor allem bei den Holländern übertrieben ausgelassen und heiter. Die Natur Südafrikas gibt auf der 45-minütigen Überfahrt aber auch wirklich alles dafür: Nicht nur traumhaftes Wetter sondern auch Delphine, Robben und Wale schickt sie uns. Wie sich wohl die Häftlinge gefühlt haben, als sie mit dem Boot auf die Insel gebracht wurden?

20150223_suedafrika_robben-island_L1123927Das Festland rückt in die Ferne

Gefängnis-Insel-Rundfahrt

Zu Beginn machen wir eine Inselrundfahrt und bekommen von unserem pfiffigen Guide eine Kurzeinführung in die Inselgeschichte: Schon im 17.Jahrhundert wurde Robben Island als erste Sträflingskolonie in Südafrika benutzt. Im Laufe der Zeit wurden Widersacher auf die Insel verbannt: Angehörige der Stämme Khoi Khoi und Xhosa die der Kolonialregierung nicht passten und zur Zeit der Apartheid wurde es zum berühmt berüchtigten Gefängnis für politische Gefangene und Gegnern des Apartheid-Regimes. Zwischenzeitlich befand sich auf der Insel ein Walfang-Hafen und bis ins 20.Jahrhundert ein Dorf für Leprakranke.

20150223_suedafrika_robben-island_L1123886Ein Entkommen gelang nur wenigen: Selbst wenn man die Gefängniszäune überwand war es schwer von der Insel zu entkommen

Busunfall vor Robben Island

1865 wurde wegen der vielen Schiffsbrüche ein Leuchtturm – Fire Hill – gebaut. Auf der Rundfahrt sieht man an mehrern Stellen Wracks am Strand liegen und unser Guide erzählt uns von den zahlreichen Schiffs- und Busunglücken die es hier gab. Busunglück? Neben all den Schiffwracks liegt nämlich auch ein Bus vor den Ufern der Insel: Kurz nach der Eröffnung des Museums wollte Hillary Clinton Robben Island einen Besuch abstatten. Doch die Fahrzeuge auf der Insel entsprachen nicht den Sicherheitsstandarts für die First Lady. Deshalb wurde ein Bus mit dem Hubschrauber zur Insel gebracht. Oder fast, er stürzte leider vorher ins Meer und liegt dort immer noch auf dem Grund.

20150223_suedafrika_robben-island_L1123884Die Häftlinge mussten Zwangsarbeit im Steinbruch leisten – ohne Schuhe und nur mit kurzen Hosen und Hemden bekleidet. Das grelle Licht, das von dem hellen Stein reflektiert wurde, führte bei vielen Gefangenen zu Augenschäden

Unser Guide ist ein ehemaliger Häftling

Beim zweiten Teil des Besuches von Robben Island werden wir von unserem Guide – einem ehemaligen Gefangenen der zur Zeit seiner Inhaftierung mit 17 Jahren der jüngste Insasse war – durch die Gefängnisgebäude geführt. Auf engesten Raum waren die Häftlinge untergebracht. Betten und Fensterscheiben gab es anfangs nicht.

20150223_suedafrika_robben-island_L1123898Die Matratze – Bettdecken gab es keine. In einem Raum wie diesem waren bis zu 30 Gefangene untergebracht

20150223_suedafrika_robben-island_L1123896Das Essen wurde knapp verteilt; für die unterschiedlichen Häftlinge gab es – je nach Rasse – wenig oder noch weniger zu essen. Politische schwarze Insassen bekamen die kleinsten Portionen und nicht einmal Marmelade oder Sirup wie andere Häftlinge

20150223_suedafrika_robben-island_L1123905Kurzzeitig war Robben Island auch Militärstützpunkt

20150223_suedafrika_robben-island_L1123909Es gab einen kleinen Garten im Gefängnis. Hinter einer Weinrebe versteckte Nelson Mandela seine heimlich geschriebenen Schriftstücke zu seinem Buch “Der lange Weg zur Freiheit”

20150223_suedafrika_robben-island_L1123906Erst im Jahr 1971 schafften es die Gefangenen nach Streiks, die unmenschlichen Haftbedingungen zu verbessern. Insassen durften nun Studieren und das Robben Island Gefängnis bekam den Spitznamen “Nelson Mandela University”

Nelson Mandelas Gefängniszelle

20150223_suedafrika_robben-island_L1123912Die Zelle von Nelson Mandela in der er lange Zeit in Einzelhaft verbrachte

“A symbol of the triumph of the human spirit over adversity”
(frei übersetzt von der Website der Museumsinsel: Ein Symbol des Triumphes des menschlichen Geistes über die Widrigkeit). Das ist das Museum wirklich und bietet eindrucksvolle Einblicke in diesen traurigen Teil der Geschichte von Südafrika.

 

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So kommst du nach Robben Island:

Inselbesuche am besten rechtzeitig buchen, sie sind oft ein paar Tage im Voraus ausgebucht. Auf der Robben Island Website bekommt man neben ausführlichenInformationen aus eine virtuelle Inselführung

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