Spanien
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Deutschland – Spanien:
Der kulinarische Jetlag

Tapas

Oder wie mir die Zeitverschiebung in Spanien schlaflose Nächte bereitete.

Meine spanische Freundin hat mich in ihr „Pueblo“ eingeladen. Für knappe zwei Wochen verschiebe ich mein Homeoffice in ihre Wohnung. Doch hätte ich nie gedacht, dass mir die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Spanien so zu schaffen machen würde.

Aber Deutschland und Spanien liegen doch in derselben Zeitzone?
Auf der Karte schon, aber der Schein trügt. Fliegt man zum Beispiel nach Thailand, hat man mit einem Jetlag zu kämpfen, doch nach ein paar Tagen hat sich der Körper angepasst.

Nicht so einfach ist das mit der Zeitverschiebung in Spanien, da sie erst im Laufe des Tages einsetzt und nicht konstant verläuft. Aber wo kommt die Verschiebung her? Das habe ich für euch dokumentiert:

8:00 Uhr: El Desayuno | +0h

Das Frühstück – in Spanien eine traurige Angelegenheit. Ein Kaffee und eine Magdalena am Morgen. Aber wenigstens ist mit der Zeit noch alles in Ordnung.

11:30 Uhr: El Almuerzo | +0,5h

Das zweite Frühstück – Eigentlich eine tolle Sache, aber ist doch das Almuerzo der Anfang allen Übels: Hier schleichen sich schon die ersten Zeitverschiebungen ein.

15:00 Uhr: La Comida | +1h

Das Mittagessen – oder darf man es schon “Nachmittagessen” nennen? Nach so einem Almuerzo hat man natürlich nicht so schnell Hunger – für die Spanier gut, denn die meisten haben um diese Uhrzeit Arbeitsende oder ihre lange Mittagspause.

16:00 Uhr: La Siesta | +1h

Logisch – wer so spät und fettig zu Mittag isst, der muss sich erstmal aufs Ohr legen!

19:00 Uhr: La Merienda | +1h

Jetzt wäre eine gute Zeit zum Abendessen – nicht für den Spanier, es gibt nur einen kleinen Snack. Ein Tapa und ein Bierchen in der Bar. Das braucht man auch, schliesslich muss man bis zum richtigen Abendessen noch etwas durchhalten.

23:00 Uhr: La Cena | +1h

Wir sind schon bei 3,5 Stunden Zeitverschiebung angekommen. Wer sich nicht in den bei den entsprechenden Zwischenmahlzeiten versorgt hat, ist mittlerweile schon verhungert. Das wäre schade, denn jetzt geht es so richtig los: In geselliger Runde wird aufgetischt. In Spanien teilt man gerne, es werden einige (=viele) Gerichte bestellt, man nascht hier und dort – probiert von allem etwas. Für den Spanier, der gut und gerne mit vollem Magen schläft und auch für den gemäßigten Touristen, kein Problem.
Da ich leider zu keiner dieser Gruppen gehöre, bedeutet solch ein Abendessen, dass ich mich noch stundenlang mit übervollem Magen schlaflos im Bett wälzen werde.

2:00 Uhr: La Fiesta| +2h

Um das zu vermeiden, geht man am Wochenende am besten Tanzen. Aber Achtung: Hier bekommt man die Zeitverschiebung in aller Härte zu spüren:
Am Samstag wollen meine Freundin und ich ausgehen. Ich bin schon ziemlich müde und auch die Erwartungen an das Nachtleben eines 7.000 Seelen Ortes, motiviert mich nicht unbedingt. Es ist halb zwei, als meine Freundin auf die Uhr schaut und sagt: “Wir brauchen nicht losgehen.”. Ich sehe das gemütliche Bett schon vor mir, aber sie spricht weiter “Jetzt ist noch nichts los. Wir trinken noch etwas – in einer halben Stunde ist es spät genug.”

Als wir dann um 2 Uhr losziehen, scheint das Dorf wie ausgestorben. Aber wir finden die eine Bar, mit Musik und Menschen. Sie schließt um 3 Uhr. Wir laufen der Meute hinterher, in die nächste Bar. Das Spiel wiederholt sich noch zweimal, bis wir um 5 Uhr in einer Disco ankommen, in der man tanzen kann.

Um 7 Uhr fallen wir ins Bett. Das spanische Jetlag hat zugeschlagen – es war lecker und lustig. Aber ich werde länger brauchen, um mich davon zu erholen.

 

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