Asien, Asien, Bukhara, Stadt Top, Usbekistan
Schreibe einen Kommentar

Bukhara:
Im Rausch der Kacheln

Ist eine Überdosis Kacheln gefährlich?
Verursachen Ornamente Orientierungslosigkeit?
Und warum ist mein Rucksack so schwer?

6 Fragen und Antworten, die sich bei einem Besuch von Bukhara in Usbekistan stellen

Die oben genannten und einige weitere wichtige Fragen stellen sich jedem Usbekistan-Reisenden.

Ich habe das alles im September 2013 durchgemacht und kann dich beruhigen:
Bei einem Usbekistan-Besuch wirst du zwar nach unzähligen Moscheen, Medresen und Minaretten, die allesamt gespickt sind mit den unglaublichsten Kacheln und Ornamenten, leichte Stresserscheinungen bekommen. Du wirst auch den Überblick verlieren, was du wann und wo gesehen hast. Denn es ist zwar alles einzigartig schön, aber irgendwie … ähnlich.

Mach dir keine Sorgen. Das ist normal. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Umgang mit Kacheln und weitere praktische Tipps zum Reiseziel Usbekistan bekommst du hier:

1. Ist eine Überdosis Kacheln gefährlich?

Nein. Eine Überdosis Kacheln wird sich in Usbekistan, selbst wenn du schon einmal in Istanbul warst, nicht vermeiden lassen. Aber keine Sorge, die beste Medizin ist grüner Tee, der überall in den Teehäusern (z.B. Silkroad Spices) serviert wird.
Sollte das türkis-blaue Flimmern, das oft bei einer Überdosis auftritt, nach 1-2 Kannen nicht verschwunden sein und dein Blickfeld Kachelform annehmen, solltest du schnellstens das alte Hammam in Bukhara aufsuchen.

KachelnKalligrafie, Ornamente, Pixelkunst – was Kacheln alles können …

2. Kann man süchtig werden nach der Silhouette von Minaretten bei Sonnenuntergang?

JA.  An zwanghaftem Suchen nach dem besten Platz für den Sonnenuntergang und hektischem Fotografieren im Abendlicht lässt sich die Sucht erkennen. Sie kommt in Bukhara, aber auch in Samarkand besonders häufig vor.
Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, sie ist nicht gefährlich und kann zuhause mit einer leichten Dosis Usbekistan-Urlaubsbilder behandelt werden.

Sonnenuntergang in BukharaSonnenuntergang in Bukhara: Entspannte Abendstimmung oder Fotostress?

3. Verursachen Ornamente Orientierungslosigkeit?

Nein.  Wenn du dich in Bukhara verirrt hast, dann hast du alles richtig gemacht. Es ist zwar eine naheliegende Annahme, dass die ineinander geschlungenen und gewundenen Linien von Ornamenten Auswirkungen auf deinen Orientierungssinn haben, aber tatsächlich haben sie rein gar nichts damit zu tun.

Solltest du die Orientierung in Bukhara noch nicht verloren haben, solltest du sofort damit aufhören Ornamente anzuschauen, die touristischen Gegenden verlassen und dich in die schmalen Gassen der Altstadt begeben.

20120913_zentralasien_usbekistan_bukhara_P1050689Bei Augenflimmern bitte Antwort zu Frage 1 berücksichtigen

4. Warum ist mein Rucksack so schwer?

Das liegt daran, dass du unglaublich viel Geld darin hast. Nein, du hast keine Bank überfallen und nein, du bist leider nicht schwer reich, obwohl dein Rucksack vollgestopft ist mit vielen, vielen dicken Bündeln von Som-Scheinen. Die hast du alle auf dem Schwarzmarkt auf dem Bazar getauscht (illegal!). Denn der Währungshandel der Nachfolgewährung des Rubel ist verstaatlicht. Der offizielle Wechselkurs ist allerdings so schlecht, dass sogar die Angestellten der Bank dir einen Vogel zeigen würden, wenn du versuchen würdest, dein Geld legal zu wechseln. Die haben dort wenigstens Geldzählmaschinen. Schau dir schnell bei den Usbeken ihre Technik ab, mit der sie ihr Geld zählen. Das spart viel Zeit.

Und nicht vergessen, dass du auch wirklich alles ausgegeben hast, bevor du das Land verlässt. Denn es ist streng verboten, auch nur Münzen auszuführen.

1209_usbekistan_som_2Der Tiger auf dem 200-Som-Schein tritt in Rudeln auf: Einen Som-Schein findet man selten allein, denn mit einem einzelnen kann man nicht viel kaufen

5. Warum finde ich in meinem Portemonnaie kein Geld sondern nur Papierschnipsel?

Geld findest du im Rucksack, siehe Frage 4. Die Schnipsel solltest du gut aufheben, um nicht im usbekischen Knast zu landen. Denn der ewige Präsident Islom Karimov möchte nicht, dass Touristen sich frei bewegen. Du musst dich also in jeder Unterkunft registieren lassen und bekommst dafür immer einen Schnipsel mit Datum, Ort und Unterkunft darauf vermerkt. Pass gut auf sie auf. Wenn du das Land verlässt musst du alle vorzeigen. Wenn einer fehlt gibt’s Ärger!

Und jetzt nicht beschweren, dass du gestriezt wirst; wenigstens darfst du dahin fahren, wo du hin möchtest. Usbeken dürfen das zwar auch, aber umziehen in eine andere Stadt dürfen sie nur, wenn sie dafür eine extra Erlaubnis haben. Nicht erwähnenswert, dass diese z.B. für Taschkent nicht leicht zu bekommen ist.

1209_usbekistan_somIn Usbekistan wird man zum Sammler, gezwungenermaßen

6. Wieso ist im Kofferraum meines Taxis kein Platz für meinen Koffer?

Weil da der Gas-Tank ist. Wärst du mit deinem Auto gekommen, hättest du schnell gemerkt, dass es an den meisten Tankstellen in Usbekistan nur Gas und kein Benzin gibt. Benzin ist nur an wenigen Orten zu bekommen, in der Baumwoll-Erntezeit von September bis Oktober wird das aber bestimmt nichts. Noch schwieriger wird es mit Diesel. Für den nächsten Zentralasien-Roadtrip merken!

Alles klar in Bukhara?

Du bist nun gewappnet für eine Stadtführung durch Bukhara. Die Stadt ist übrigens Zentrum der Baumwoll- und Seidenverarbeitung . Im Großraum Bukharas leben 235 000 Menschen , davon viele Tadschiken. Viele der Einwohner sprechen 3 Sprachen: Sowohl Tadschikisch, Usbekisch unf Russisch. Bemerkenswert, vor allem wenn man weiß, dass Tadschikisch eine perso-arabische Sprache, Usbekisch eine Turk-Sprache und Russisch eine slawische Sprache ist!

In der Altstadt von Bukhara leben allerdings nur noch wenige Menschen, in den meisten Gebäuden sind Museen, Hotels oder Touristenläden untergebracht. Das alltägliche Leben spielt sich in der Neustadt ab.

Aber wir machen uns jetzt trotzdem auf den Weg in die Altstadt – du weißt, was zu tun ist bei einer Überdosis Kacheln. Also los geht’s!

1209_usbekistan_bukhara_1Die Kalon Moschee mit ihrem Minarett (rechts) und die Medrese Miri Arab mit ihren blau gekachelten Rundtürmen. Nachdem Bukhara 1220 von Dschingis Khan platt gemacht worden war, erlebte die Stadt ab dem 16.Jahrhundet unter den Schaibaniden ihre zweite Blütezeit

1209_usbekistan_P1050328Zu Sowjetzeiten wurde der Islam in Usbekistan unterdrückt, fast alle Moscheen geschlossen und religöser Unterricht verboten. Heute ist die Medrese Miri Arab  (1536 gebaut) die anerkannteste islamische Ausbildungsstädte Usbekistans

20120909_zentralasien-usbekistan-bukhara_P1050278Die komplette Innenstadt von Bukhara ist seit 1993 die UNESCO Weltkulturerbe

Kuppel der MoscheeIm linken Rundturm der Miri Arab Medrese ist übrigens ein prunkvoller Grabraum irgendeines Scheiches (wer soll da durchblicken?) untergebracht 

1209_usbekistan_P1050321Vom 50 Meter hohen Kalon-Minarett, eines der Wahrzeichen Bukharas, wurden seit dem 12.Jahrhundert die Gläubigen vom Muezzin gerufen. Weniger schön: Zur Todesstrafe Verurteilte wurden in einen Sack gepackt und hinunter geworfen

1401_usbekistan_bukhara_bazaar2Passage durch den ehemaligen Hut-Bazaar. Schon im 3.Jahrhundert im Kuschan-Reich war Bukhara ein bedeutendes Handelszentrum. Aus dieser Zeit sind allerdings keine Gebäude mehr erhalten

20120910_usbekistan_P1050372Die windenartigen Innenkanten des Iwans Ulugbek Medrese ist ein seltenes Schmuck-Element

1209_usbekistan_P1050457Das Verbot der bildlichen Darstellung in der islamischen Kunst förderte die Formenvielfalt

Nadruddin HodschaJeder will ein Foto von Hodscha Nasrudin Afandi, dem Till Eugenspiegel der islamischen Welt

1209_usbekistan_P1050388Farbenfrohe Ornamente und Blumenmuster

1209_usbekistan_P1050346Eine der Medresen am Labi Xaus spiegelt sich im Wasserbecken. Noch zu Anfang des 19.Jahrhunderts gab es fast 100 dieser Wasserreservoirs. Da die Einwohner von Bukhara sich aber sowohl darin wuschen, als auch davon tranken, kam es oft zu Epedemien. 

1209_usbekistan_P1050467Schattenspiele – keine Ahnung wo. Vergleiche Einführungstext (… sieht irgendwie alles ähnlich aus)

1209_usbekistan_P1050392In den Innenhöfen der Medresen sind oft Souvenirläden untergebracht. Die typischen usbekischen Mützen findet man überall. Oft auch noch auf den Köpfen alter usbekischer Männer

1209_usbekistan_P1050394Die konnten nicht nur kacheln, die konnten auch malen!

1209_usbekistan_chor-minor_minaretteVon der Medrese Chor Minor, die 1807 erbaut wurde, ist nur noch das Pförtnerhaus erhalten

1209_usbekistan_P1050495Nicht immer wird für eine fehlende Kachel der passende Ersatz gefunden. Nicht immer scheint man sich damit viel Mühe gemacht zu haben …

20120912_usbekistan_P1050648Die Innenhöfe der alten Medresen sind ein beliebter Treffpunkt

20120910_usbekistan_P1050362In der Neustadt sieht man überall die typisch usbekischen Weinlauben

1209_usbekistan_P1050282Verlaufen und verirren erwünscht: In den Gassen der Altstadt

20120910_usbekistan_P1050419Die Innenstadt von Bukhara ist ein Freilichtmuseum. Das Leben in der Gegenwart spielt sich in der Neustadt ab

1209_usbekistan_P1050291Lieferwagen? Gibts nicht. Brauch man nicht

1209_usbekistan_P1050211Häuser werden noch immer auf traditionelle Arte gebaut. DieWände werden mit einer Lehm-Stroh-Mischung isoliert

1209_usbekistan_bukhara_tueren_P1050208Die historische Altstadt von Bukhara ist eng verwinkelt

1209_usbekistan_P1050286Die Zitadelle Ark diente eins den Herrschern von Bukhara als Regierungssitz

1401_usbekistan_bukhara_hausDer Kaufmann Xojayev verkaufte Felle nach Russland und wurde so reich. In seinem großzügig angelegten Haus aus dem 19.Jahrhunderters Haus liess es sich gut leben. Männer und Frauen natürlich getrennt. Mit eigenen Winter- und Sommerräumen

1209_usbekistan_P1050505Willkommen im Harem. Ob des Kaufmann’s Frauen wohl auch so einen schicken Hut hatten?

1209_usbekistan_P1050454Das im 9./10. Jahrhundert erbaute Samaniden Mausoleum, gilt als eines der wichtigsten Bauwerke in ganz Zentralasien. Insbesondere die Konstruktion der halbkugelförmigen Kuppel gilt als technische Meisterleistung

1401_usbekistan_samaniden-mausoleumEinfache, gebrannte Ziegeln sind Baumaterial des Samaniden Mausoleums. Zur Zeit der persischen Samaniden erlebte Bukhara seine erste Blütezeit. Es war Hauptstadt und mit 300 000 Einwohnern wichtigste Stadt dieses islamischen Reiches 

1209_usbekistan_P1050208Meine Unterkunft Shalom Inn im Jüdischen Viertel, das in einer alten jüdischen Villa untergebracht ist. Typisch ist der Innenhof, in dem es auch bei großer Hitze noch angenehm kühl ist

Es ist fast genau 3 Jahre ist es her, dass ich Bukhara besucht hat. Warst du seitdem dort? Hat sich viel geändert?

Hier kannst du mehr lesen aus dem Ferghana-Tal in Usbekistan: Süsses, Seide und USB-Stick
Viele hilfreiche Infos zu Usbekistan gibt es auf www.caravanistan.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.