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Georgien:
In Tuschetien Trekken

Keselo Omalo

Abenteuer Einsamkeit: Außer viel Natur und paar Wehrtürmen gibts nicht viel in Tuschetien. Perfekt um ungestört zu Wandern und zu Trekken.

Tuschetien liegt im Nordosten Georgiens, in einer der unzugänglichsten Kaukasusregionen. Nur 4 Monate im Jahr sind die vier Täler, die 2003 zum Nationalpark erklärt wurden, erreichbar. Zwar wandert man in Tuschetien nicht, wie in Swanetien, im Angesicht von Gletschern, dafür kann man überraschende sanfte Berglandschaft so gut wie ungestört geniessen. Denn um nach Tuschetien zu kommen, muss man ein wenig Einsatz bringen: Die 4-stündige Jeep Fahrt von Telawi ist nicht ganz günstig und ziemlich nervenaufreibend.

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Die Tuschen-Taufe: Der Abano Pass

Der Fahrer sagt mir, ich solle mich besser nicht anschnallen, denn dann könnte ich noch aus dem Auto springen, falls wir vom Weg abkommen und den Abhang hinunter stürzen … die Passstraße über den 2917 m hohem Abano Pass ist nicht nur die höchste, sondern auch die gefährlichste Straße Georgiens und gesäumt von Kreuzen. Wer sie überlebt – und zum Glück überleben die meisten – ist gewappnet für das Abenteuer der Abgeschiedenheit von Tuschetien. Dabei erhält man die Tuschen-Taufe: Die findet automatisch unter einem kleinem Wasserfall statt, durch den jedes Auto hindurch fahren muss.

Tipp: Nicht selber fahren. Unterkünfte organisieren Transport im Geländewagen, meist ab Telawi. In Achmeta kann man Transport nach Omalo bekommen, es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Abano Pass TuschetienEine der gefährlichsten Straßen: Die Passstraße über den Abano Pass.

Schafe auf Straße in TuschetienGegenverkehr, der etwas anderen Art: Schafabtrieb im Herbst

Trekken von Omalo über Verkhovani

Nach der Tuschen-Taufe auf der Abano Passstraße geht es zu Fuß weiter: Die 3-tägige Rundtour von Omalo mit Übernachtung in Verkhovani und Tschesho ist lang und anstrengend, aber perfekt, um einen Eindruck von Tuschetien zu bekommen.

1.Etappe: Omalo bis Verkhovani

Los gehts nach Verkhovani. Fröhlich singend sind wir unterwegs: Die Landschaft ist traumhaft, aber wenn ich ehrlich bin, zieht sich der Weg doch ziemlich in die Länge! Nach über 25 km habe ich einen arabischen Zungenbrecher und ein hebräisches Kinderlied gelernt. Dafür gibt’s in Verkhovani sogar eine warme Dusche: Extra für uns feuert die Gastgeberin ein – der Boiler wird mit Feuer beheizt.

Tipp: Gute Begleitung mitnehmen, diese Etappe ist sehr lang, aber selten steil. Viel Zeit zum Reden oder Singen! Wer darauf keine Lust hat, kann sich von einem Geländewagen nach Ivarboseli bringen lassen und läuft nur das letzte Stück. Aber das ist gemogelt …

Omalo in TuschetienIn der Ferne ist die Festung Keselo von Omalo zu erkennen

Pause beim TrekkenDie Aussicht ist immer toll, der perfekte Pausenplatz quasi überall

Trekking in TuschetienÜber 25 km ist die erste Etappe lang und führt vorbei an Europas höchstgelegenem Dorf Bochorma

Bergdorf mit WehrturmFrüher schützten sie vor Feinden, heute verfallen sie: Die alten Wehrtürme aus Schiefer

2.Etappe: Verkhovani bis Tschescho

Schnaufen statt singen ist bei der zweiten Etappe von Verkhovani nach Tschesho angesagt. Wir starten früh, denn es steht ein langer Aufstieg bevor. Auf dem Pass werden wir mit grandiosen Aussichten ins Tal nach Parsma belohnt. Nach dem Abstieg über en gewundenen Weg, kurz vor dem Etappenziel Tschesho, gibt es dann noch mal ein richtiges Abenteuer: Die in der Karte eingezeichnete Brücke ist nicht da. Im Frühsommer kann man den Fluss über Brücken aus Altschnee überqueren, aber die sind im September natürlich geschmolzen. Bleibt der Umweg über Parsma (Kann jemand bestätigen, dass es dort eine Brücke gibt?). Wir waten durch das kalte Wasser – nicht ganz ungefährlich. Selbst an der flachsten Stelle hat der Fluss viel Strömung. Angeseilt, Hand in Hand  schaffen wir es gemeinsam.

Tipp: Große Leute können den Fluss recht einfach durchwaten, für kleine Menschen ist das sehr schwierig. Deshalb genug Zeit für den Umweg über Parsma einplanen oder Seil und Trekking-Sandalen für die Flussdurchquerung einpacken.

Bergdorf in TuschetienDie Schieferdächer fallen zusammen: Verlassenes Dorf in Tuschetien

Trekken in TuschetienWann sind wir endlich da? Kurz vorm Pass

Wegweiser nach VerkhovaniNur 3 anstrengende Kilometer sind es von Verkhovani bis zum Pass

Trekken in TuschetienBlick auf Parsma, ganz klein am Ende des Tals

Trekken in TuschetienVon oben gut zu erkennen, von untern kaum zu sehen: Der sich am Berg schlängelnde Wanderpfad

3.Etappe: Tschescho bis Omalo

Auf der letzten Etappe geht es auf dem Jeep-Track zurück nach Omalo. Ich gebe es zu: Ich habe ein bisschen gemogelt und habe abgekürzt … dabei gibt es auf diesem Abschnitt die alte Festungsanlage von Dartlo zu bewundern. Wer war schon mal da und schreibt mir, was ich verpasst habe?

Fitness in TuschetienWem die Wanderung nicht anstrengend genug ist: Open Air Fitness Studio auf georgisch.

FliegenpilzeNix für den Proviant. Hübsche Fliegenpilze.

Ausritt über Shenako nach Diklo

Zu diesen beiden hübschen Orten östlich von Omalo kann man eine 2-tägige Wanderung unternehmen, oder es sich auf dem Pferderücken bequem machen. Meine bevorzugte Variante. Ich schliesse mich einer ukrainischen Gruppe an.

Ausritt in OmaloLos gehts am Dorfplatz von Omalo.

Ausritt in TuschetienSogar die Kleinen dürfen mit: Das Fohlen folgt uns die ganze Strecke.

Kirche in TuschetienDie einzige Kirche Tuschetiens steht bei Shenako. Die Tuschen hängen noch ihren Paganen Traditionen an.

Ausritt in TuschetienBlick auf Shenkao.

Die Wehrtürme von Omalo

Und zum Schluss noch etwas Geschichte: Denn es ist kaum zu glauben, dass die Mongolen in dieser abgelegenen Region ihre Spuren hinterliessen: Die mittelalterliche Festung „Keselo“, die malerisch auf einem markanten Anhöhe über Omalo thront, wurde im 13.Jhd. als Schutz vor den Armeen Timurlenks gebaut. Wehrtürme finden sich im Kaukasus in den meisten Dörfern, ihre Bauweise unterscheidet sich in jeder Region. In Tuschetien wurden zwei unterschiedliche Typen von Wehrtürmen gebaut: In den Wohntürmen verbarrikadierte sich die Bevölkerung bei Belagerungen, die Signaltürme wurden zur Kommunikation untereinander gebaut. Denn die Tuschen mussten sich nicht nur  vor den Mongolen, sonder auch immer wieder vor angriffslustigen Nachbarn (z.B. den gar nicht gefährlichen klingenden, aber wohl sehr kriegerischen „Laken“), verteidigen. So galten sie bald als gute, tollkühne Kämpfer.

Tipp: In Upper Omalo kann man in einem alten Wehrturm übernachten. Mit dem Zelt darf man sogar auf dem Platz zwischen den Türmen schlafen. Was für ein Sternenhimmel!

Upper OmaloDie Wehrtürme wurden laut Sage von „Tebschorikas„, bösen Feen, die gezähmt werden konnte, gebaut

 

Praktische Tipps

Infos & Karten

Kartenmaterial vorher besorgen, die von Geoland ist die beste (und einzige im Maßstab 1:50 000). In Lower Omalo gibt es den Tusheti National Park Visitor Center , in dem ich selber noch nicht war. Wer schon mal da war: Schreibt mir!

Unterkünfte

In Upper und Lower Omalo gibt es zahlreiche einfache Guesthouses oder private Unterkünfte. In Diklo und Shenako werden ebenfalls Privatzimmer vermietet und auch in Verkhovani, Parsma, und Tschesho und Dartlo kommt man unter.

3-Tages-Tour

Die Mehrtagestour kann von Omalo über Verkhovani und und Tschesho ist eine schöne Rundtour und kann auch auf eine 2-Tages-Tour gekürzt werden, wenn man sich eine Strecke mit dem Jeep fahren lässt.

2-Tages-Tour

Von Omalo über Shenako nach Diklo. Unterkünfte in beiden Orten.

Pferdetrekking

Reiten hat in Tuschetien Tradition, war das Pferd doch früher das wichtigste und oft einzige Transportmittel. Einen Ausritt sollte man nicht verpassen, dabei bietet sich die Tour nach Diklo und Shenako an, die man dann an einem Tag machen kann. Einfach im Dorf nach Pferden fragen.

Pferde in Tuschetien

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3 Kommentare

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  2. Silke Ade sagt

    Hallo Nina,
    vielen Dank für Deine Schilderungen und die Anregungen zum Trekking um Omalo.
    Wie hast Du denn Deine Mehrtagestour organisiert? Hat das problemlos vor Ort funktioniert oder hast Du im Vorfeld schon gewusst, mit wen Du die Tour laufen wirst? Auch beim Pferdetrekking interessiert mich, ob Du das direkt vor Ort gebucht hast?
    Wir werden im September 3,5 Wochen in Georgien verbringen und einen guten Teil mit wandern verbringen.

    Vielen Dank schon jetzt für eine Antwort
    Schöne Grüße
    Silke

    • Nina K sagt

      Hallo Silke,

      ich habe meine Mehrtagestour auf eingene Faust gemacht, ohne Unterkünfte vorzubuchen, was Ende der Saison kein Problem war. Der Weg ist, wenn man den Pass von Verkhovani Richtung Tschescho geht, relativ gut zu finden (ich habe einen Amerikaner getroffen, der sich in die Gegenrichtung laufend ziemlich verirrt hatte). Entweder GPS oder Guide sollte auf jeden Fall dabei sein 🙂
      Guides gibts hier: http://www.georgiano.de/kaukasus/Kaukasus_Bergf%C3%BChrer.html

      Das Pferdetrekking konnte ich auch spontan vor Ort buchen. Einfach ein bisschen rumfragen, mir haben die Leute vom Guesthouse Lasharai geholfen (ich konnte mich einer Gruppe anschliessen).
      Wenn du wenig Zeit hast buchst du besser eine Tour vorher, ansonsten sollte das auch spontan gehen.

      Ich würde mich freuen, wenn du mir berichtest, wie die Reise war!
      Viel Spaß 🙂

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